Chaos in der Sammlung

Mein Atmen geht schneller. Meine Pupillen weiten sich. Mein Körper meldet: Alarm! Stress!

Da stehe ich… vor der Tür des Schreckens. Nein, ich muss nicht in den Unterricht. Schlimmer! Ich stehe vor der Tür der Sammlung. „Tief einatmen und nochmal kräftig Luftholen“, denke ich mir. Der Schlüssel dreht sich im Schloss. Tür auf. Licht an. Da überkommt mich die leichte Verzweiflung: „Wie soll ich denn hier was finden?“ Ich habe schon von Referendaren gehört, die sich zur Aufgabe gemacht haben, die Sammlung während ihres Referendariats aufzuräumen. Das wäre hier auch mal nötig…

 „Nur ein Genie beherrscht das Chaos“, heißt es doch so schön. Dann sind wir Biologen wohl die Supergenies. Ordnung nach dem chaotischen System.

„Ein Navigationsgerät wäre jetzt nicht schlecht“, denke ich mir.

Eingabe: aktueller Standpunkt  ->  Tierzellenmodell. Route wird berechnet. In drei Schritten links abbiegen. Dem Weg für 7 Schritte folgen. Achtung! Staugefahr!
- Ich schiebe die Kisten mit Infomaterial aus dem Weg!

Halten sie sich an der Gablung rechts. Jetzt leicht rechts abbiegen. Folgen sie dem Weg für fünf Schritte. Achtung! Tiere auf dem Weg!
- Ich schiebe das Skelettmodell zur Seite.

Folgen Sie dem Weg weiter. An der nächsten Gabelung scharf links abbiegen. Jetzt links abbiegen.
- Klong! Aua!

Bitte wenden! Bitte wenden! Bitte wenden!
- Seit wann ist denn auch dieser Weg durch Holzstämme versperrt? Richtig: Holzstämme!

Bitte wenden! Bitte wenden!                                                                 
- Ich reibe mir noch meinen Zeh und gehe, schon dezent genervt, in die andere Richtung weiter.

Route wird neu berechnet. -.-

Warum können Biologen keine Ordnung halten? Es wäre doch ganz einfach: Nehmen, wieder an seinen Platz zurückstellen. Altes, Kaputtes wegschmeißen. Schüler*innen Produkte schön ausstellen. Vorbereitungsmaterial geordnet an einem Vorbereitungsplatz ablegen. Fertig!

Soweit die Theorie. In der Praxis stapeln sich Kisten und Kartons voller Informationsmaterial in den Gängen und auf den Tischen. Die Ausstellungsvitrinen sind teilweise bis zum Platzen vollgestellt. Andere Vitrinen werden gar nicht erst genutzt. Dann liegt da noch ein Sack Erde. Dann steht da ein leeres Aquarium. Im Aquarium stehen Eimer, Kescher und Lupen. Daneben liegen noch einige leere Blumentöpfe. In den Gängen stehen Baumstämme, auf denen Schaubilder und Zellorganellenmodelle liegen. Überall liegen Schüler*innenplakate, die wahrscheinlich schon so alt sind, das sie noch aus meiner Schulzeit stammen könnten. Auf den Vitrinen. Auf den Schränken. Auf den Vorbereitungstischen. Überall Plakate. Dazwischen lassen sich noch Präparierwannen und Petrischalen erahnen. Auf dem Vorbereitungswagen warten wohl schon seit Jahren Erlenmeyerkolben, Reagenzien und Reagenzgläser auf ihren Einsatz im Unterricht. Er hätte ein Comeback im Unterricht verdient! Doch bei näherer Betrachtung wird man schnell entmutigt: Kaputte und verdreckte Reagenz- und Bechergläser. Die Reagenzien sind seit Jahren abgelaufen. Für den Unterricht nicht mehr brauchbar- eigentlich das Todesurteil für den Materialwagen. Doch nun fristet er sein tristes Dasein in der dunklen Ecke der Sammlung. Wartet weiter darauf, dass ihm jemand zu seinem Comeback im Unterricht verhilft…

Jedoch: Manchmal, ja manchmal hat man auch Glück! Man entdeckt einen kleinen Schatz in all dem Chaos: Fertige Arbeitsblätter. Eine Kiste mit beschrifteten, laminierten Kärtchen, Umschlägen, Bildern ehemaliger Referendare. Oder einfach das, was man einfach gerade sucht. In meinem Fall: Hier ist ja endlich das Tierzellenmodell. Oh, und da ja auch das von der Pflanzenzelle. Wo sind doch gleich die Zellorganellenmodelle???

Aber: Was geschieht nach dem Unterricht mit den Materialien? Auch ich suche mir wieder einen freien Platz für die Modelle. Kisten, Plakate, Mikroskope, auch Bücher, Eimer, Lupen und Kescher werden von links nach rechts gerückt, aufeinander gestapelt. Dann hoffe ich, dass es in vielen Jahren wieder ein Referendar durch Zufall meine Vorbereitungen zum Zellaufbau findet…

Vielleicht hat doch alles sein System und seine spezielle Ordnung. Vielleicht soll und muss es so chaotisch in der Biologiesammlung sein, damit auch nachfolgende Referandarsgenerationen durch Zufall den Fund ihres Lebens machen.

Und wenn ich bei uns in der Biologiesammlung etwas nicht finde und die Verzweiflung siegt, dann greift Plan B! Die Chemie-und Physiksammlung. :-)

Wie chaotisch ist es in eurer Sammlung? Egal, ob Biologie, Chemie, Physik oder Mathematik…Schreibt eure Erfahrungen :-)

KEEP CALM AND CARRY ON!

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