Keep caml!

Dunkelheit. Der Nebel hält sich fest in den Bäumen und Sträuchern. Das Licht der Fahrradlampe scheint kaum den Boden zu erreichen. Zu schwach, um den Weg auszuleuchten. Der warme Atem in der Kühle der Morgenluft erkennbar. Es knarzt. Die Bäume wiegen sich ruhig und gleichmäßig im Wind. Wirken wie Riesen, die langsam den Weg bahnen. Meine Herzfrequenz steigt mit jedem Meter, dem ich mich der Schule nähere. Im dumpfen Licht der wenigen Schulhoflampen wird die Schule nach und nach erkennbar. Eine bizarre Kulisse: Verlassen. Nebel. Trübes Licht.

Im Film versagt an dieser Stelle die letzte Lichtquelle. Batterie leer. Man sieht im letzten Close-Up den von todesangsterfüllten Blick der Protagonistin. Im Hintergrund das Blitzen des Messers. Er ist nur wenige Meter entfernt…

Keine Angst: Meinem mutmaßlichen Mörder sollte ich an diesem dunklen, nebeligen Morgen nicht begegnen. Die bizarre Kulisse der Schule ist geblieben. Ein Eindruck, der bleibt. Es ist 6:25. Treffpunkt 6:30 vor dem Schulgebäude. Der Puls steigt. Heute ist DER Tag. Monate, gefühlte Jahre der Vorbereitung liegen hinter uns. Heute sollen wir unser ganzes Können präsentieren. Sollen zeigen, was wir drauf haben. Heute ist unser Schulleiter-Unterrichtsbesuch. Heute geht es um Alles!

Ich stehe vor der Schule. Genieße einen Augenblick die Stille. Schalte ab. Atme tief durch. 6:30. Da kommt der Referendarskollege und der Hausmeister. Alarmanlage aus. Der Schlüssel dreht im Schloss. Zweite Alarmanlage aus. Jetzt zählt jede Minute. Der Countdown läuft. Lernumgebung schaffen: Stühle runter. Gruppentische stellen. Mikroskope raus. Technik an. Räume fegen. Plakate aufhängen. Parallel laufen  zwei Kopierer heiß. Zum Glück sind wir zu zweit. Zum Glück können wir uns die Arbeit teilen. – Wer kommt auch schon auf die verrückte Idee zwei Biologiekurse zusammenzulegen für einen Unterrichtsbesuch?! Teamteaching. Jeder profitiert von den Fähig- und Fertigkeiten des Anderen. Im Moment profitieren wir von unserer Organisationsfähigkeit. Erste Probleme treten auf- der Kopierer streikt. Kopierstau. Stau. Typisch.  Ausgerechnet jetzt. 7:00. Das Experiment muss noch vorbereitet werden. Verdammt, wo ist doch gleich der Sensor? Wo ist der Messbehälter? Diese Sammlung! Weiter. Wir brauchen Blätter zum messen der Fotosyntheserate. Es ist endlich hell genug. Die nette Kollegin geht für uns Blätter sammeln. 7:10. Die Kopien sind da. Jetzt heißt es: „An die Tacker fertig los.“ – Nur keinen Fehler machen. Keine Kopie vergessen. Die Zeit rennt unaufhörlich. Nur noch wenige Minuten. Auf dem Gang werden die Stimmen der Schüler immer lauter. 7:40. Gleich geht es los. 7:45. Stundenbeginn. Der Strom der Schüler gleicht dem Einlass auf einem Konzert. Auch ihnen ist die Anspannung anzumerken. Die erste Stunde läuft. Die Schüler arbeiten fleißig an den Forscherheften. Dokumentieren Plakate und Zellorganellenmodelle  mit ihrem Smartphones. Im Hintergrund läuft das Experiment zur Fotosynthese. Im Nebenraum wird mikroskopiert. Anschaulicher Biologieunterricht. Das ist unser Ziel gewesen. Die Schüler sind mit Eifer bei der Sache. Die Referendare aber auch. Alles läuft nach Plan. 8:30. Die zweite Stunde hat bereits begonnen. Doch: Wo bleibt der Schulleiter? 9:00. Immer noch kein Schulleiter. Die Schüler präsentieren ihre Forscherhefte und Bilder. 9:15. Stundenschluss. Unglaublich: Kein Schulleiter! 50 glückliche Gesichter verlassen die Bioräume. Ziel erreicht. Kaputt. Erledigt. Geschafft. Der Haken: Ohne Schulleiter! Abbau der Gerätschaften. Kein Schulleiter. – Alles umsonst? Monate der Vorbereitung und am Tag X verpasst der Schulleiter seinen Unterrichtsbesuch? Wut. Ärger. Fassungslosigkeit! Nicht nur bei uns. Im ganzen Kollegium.

Acht Wochen später. Die Nachbesprechung. Das Werk unseres Unterrichtsbesuch liegt vor uns ausgebreitet auf dem Tisch. Eine Fülle an Material. Mit Stolz betrachten wir unser Werk. Da! Der Schulleiter. Auch er ist begeistert. HAPPY END! Oder nicht?! Mit jedem Besuch geht auch eine Note einher. Persönliches Nachgespräch. Noch einmal behaupten. GESCHAFFT! HAPPY END! Es ist nicht alles umsonst gewesen!

Was ziehe ich daraus? Es ist egal, ob der Schulleiter kommt oder nicht. Wir müssen es wagen,  Neues zu probieren. Möglichkeiten nutzen, um Chancen zu eröffnen. Wir profitieren voneinander. Aber nicht nur wir Kollegen. Auch die Schüler. Spaß am Unterricht und Unterrichten sind die großen Ziele, die es gilt jeden Tag aufs Neue umzusetzen.

In diesem Sinne:

KEEP CALM AND CARRY ON!

 

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