Was mich nur nachdenklich stimmt, ist die Aussage, das „meine Schüler [..] später vermutlich genauso viel oder wenig Physik brauchen und wissen, wie jeder andere Mensch auch“. Durch seinen Unterricht sorgt Herr Klinge doch dafür, dass seine Schüler von Physik vielleicht ein bisschen mehr verstehen als andere auch. Und das sollten auch alle anderen Lehrer in allen anderen Fächern vermitteln. Nicht das, was man später vielleicht gebrauchen könnte, steht in einem Fach im Vordergrund, sondern das, was zu einer gesunden Entwicklung von jungen Menschen jetzt nötig ist und worauf sich aufbauen lässt, damit sie mündige, kritische und selbstbewusste Menschen werden. Und dazu gehören doch auch Inhalte aus der Physik?
Das Argument, das Herr Klinge anführt, hat im Grunde nichts mit der Physik zu tun. Gleiches könnte man auch für andere Fächer sagen und so gleitet der Artikel in eine Generalkritik über Schule vor dem Hintergrund der Schulrealität hinüber.

Die Kritik an Ausstattung, an Schülerdispositionen und an Vorgaben aus den Ministerien mag nachvollziehbar sein, vielleicht ist sie auch gerechtfertigt, aber mein Eindruck ist, dass Herr Klinge hier seine Motivation verliert – Schade: Ich kann ihm nur zurufen: „Ja, kritisieren Sie, aber lassen Sie sich nicht frustieren!“ Seien Sie kreativ und phantasievoll – ein Handy oder ein Smartphone kann einen gewissen Grad an mangelhafter Ausstattung wett machen, tun Sie sich mit Kollegen zusammen und entwickeln Sie Ideen. Dies gilt genauso für die immer heterogener werdende Schülerschaft – hier müssen Sie mit Kollegen zusammen arbeiten, da wird Ihnen letzten Endes keine „Hardware“ helfen können. Was spricht denn dagegen, wenn Sie einen Filmausschnitt auch einmal in einer anderen Sprache sehen – und das im Physikunterricht? Vorsicht – es könnten noch mehr Schüler begeistert sein!

Zu den unerfüllbaren Vorgaben aus den Ministerien kann ich Ihrem Eindruck nicht ganz folgen. Ich empfinde die Vorgaben als immer freier und höre auch schon vermehrt die Rufe aus dem Kollegenkreis, wenn sie auf die neuen Lehrpläne und Vorgaben schauen :“ Ja, was sollen wir denn nun genau machen?“ Ich denke mit Ihren Filmen haben Sie ein schönes Beispiel, wie Sie die Freiheiten der Lehrpläne konstruktiv nutzen. Wenn ich versuche zwischen den Zeilen zu lesen und Herrn Klinge richtig verstehe, dann wehrt er sich gegen das „teaching fort he test“ und dazu kann ich ihn nur beglückwünschen, denn mit der Betrachtung von Actionfilmen macht er doch genau das nicht und ich bin mir sicher, dass seine Schüler kompetent genug sind, Aufgaben zu Masse und Gewichtskraft physikalisch schlüssig zu bearbeiten, weil Sie gleich an Hulk denken.

Also meine Bitte an Herrn Klinge:“ Hacken Sie nicht auf die Physik – die hat mit Ihrer Kritik nichts zu tun“.
Genauso gut könnte sich ein Englischlehrer mokieren, dass er Landeskunde über Australien machen muss, obwohl die wenigsten seiner Schüler später einmal nach Australien reisen werden.

„Herr Klinge, lassen Sie sich nicht entmutigen und seien Sie weiterhin so begeistert wie jetzt. Brauchen Sie Impulse, Ideen oder auch nur einen Austausch, dann kommen Sie zum MNU – wir wollen die MINT-Fächer stärken und fördern, allen Widrigkeiten zum Trotz!“

Zum Artikel Spiegel-Online: http://www.spiegel.de/schulspiegel/lehrergestaendnisse-schueler-brauchen-spaeter-kaum-physik-wissen-a–995098.html

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