Bericht vom 64. Kongress der Union des Professeurs
de Physique et de Chimie (UdPPC)

Der Jahreskongress der französischen Lehrkräfte für Physik und Chemie fand in diesem Jahr auf dem sehr gepflegten Campus der Université de Bourgogne statt. Gut organisiert bot er während drei Tagen Vorträge und Workshops. Besuche in Einrichtungen wissenschaftlich-technischer Forschung und Entwicklung sowie eine Ausstellung von Lehrmitteln und (Schul-)Büchern rundeten das Angebot ab. Die gut 200 Teilnehmer/innen hatten nicht nur ausreichend Zeit für Fragen und Diskussion im Anschluss an die Vorträge, sondern nutzten ausgiebig die Gelegenheiten des Austauschs bei guter Versorgung in den Pausen, beim Begrüßungs-Cocktail und dem gemeinsamen Abendessen mit festen und flüssigen burgundischen Spezialitäten. 

Die französischen Kolleginnen und Kollegen stellen sich, vor dem Hintergrund der Ergebnisse internationaler Vergleichs-Untersuchungen, reformbedingten Heraus-forderungen. Didaktische Fragen scheinen an Raum zu gewinnen. Entwicklung und Umsetzung neuer Wege werden deutlicher auf die Ebene der einzelnen Schule delegiert. Fokussiert werden Änderungen der Stundentafeln, Interdisziplinarität bzw. integrierter naturwissenschaftlicher Unterricht und die Ausrichtung der Lehrpläne an zu erreichenden Kompetenzen statt an Inhalten. Fachliche Inhalte werden in Kontexte eingebettet; die Gliederung des Faches bildet nicht mehr die Leitlinien für Lehrpläne und Unterricht.

Der Vorsitzende, M. Vincent PARBELLE, sprach in seiner Eröffnung der Tagung Sorgen an:  Mögliche Zersplitterung der Fachlichkeit durch Unterricht in fächerverbindenden Kontexten, schul- und unterrichtsorganisatorische Probleme in der Folge der Reform des Collège (Sek. I),  heimliche Verdrängung von Physik/Chemie wegen Lehrkräftemangels zu Gunsten von „SVT“ (Wissenschaften des Lebens und der Erde) und „Technologie“. Für aushelfende Lehrkräfte mahnte er eine Mindest-Qualifikation an. - Informatische Werkzeuge dürften nicht die einzigen „praktischen“ Materialien sein, sondern Schüler müssten im naturwissenschaftlichen Unterricht auch experimentell Probleme lösen, so Vincent PARBELLE, der nicht zuletzt auch den Wunsch aussprach, die geschaffenen organisatorischen Voraussetzungen für Lehrer-Fortbildung nun auch inhaltlich zu füllen.

Im Workshop zur aktuellen Situation des Collège akzentuierten die Teilnehmer/innen die genannten Schwierigkeiten von als zu wenig kohärent wahrgenommenen Lehrplänen über Probleme der Leistungsbeurteilung hinsichtlich der Kompetenzen bis zu immer noch bestehende Hindernissen in der baulichen Situation und Ausstattung der Schulen. Mehrere Kollegen berichteten, dass sie bis zu 14 Klassen je einstündig unterrichten, und dass die vier Wochenstunden naturwissenschaftlichen Unterrichts, von drei Kolleg/innen erteilt, beim Schüler den Eindruck dreier verschiedener Fächer erweckt - der Abstimmungsbedarf zwischen den Kolleg/innen ist groß, zeitlich jedoch schwierig zu leisten.

Sind Kompetenzen Feinde der Kenntnisse? Diese Frage beleuchtete an konkreten Aufgaben-Beispielen der Eröffnungsvortrag von Frau Prof. Wanda Kaminski, Paris. Neben fachdidaktischen und experimentellen Themen bildeten aktuelle fachliche und technische Entdeckungen, u.a. Gravitationswellen, einen inhaltlichen Schwerpunkt des Kongresses. Beispielsweise ging es um den bedeutenden Beitrag der Chemie zu bildgebenden bzw. bildgestützten Verfahren in der Medizin, verbesserte Sicherheit beim Autofahren für ältere Personen, Konfektionierung von Lebensmittel-Fertigprodukten und Tierfutter – Themen, die nicht nur aktuell und interessant dargeboten wurden, sondern auch als Anregung für mögliche Kontexte im Unterricht nützlich sein könnten.  

Sabine Thomas.

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