VB 06

Die Rote Königin, der Sex und der Tod
Vortragende/r: Ulf Erdmann
Institution:Pädagogium
Datum:20. November 2018
Zeit:12:00 - 12:45 Uhr
Raum:17

Im Jahr 1865 veröffentlichte der britische Schriftsteller Lewis CARROLL das Kinderbuch: „Alice im Wunderland“. 1871 erschien dessen Fortsetzung „Alice hinter den Spiegeln“. In diesem Buch gibt es eine Figur, die Rote Königin (in der deutschen Übersetzung Schwarze Königin genannt), die Alice über die Besonderheiten im Land hinter den Spiegeln aufklärt: „Hierzulande musst Du so schnell rennen wie Du kannst, wenn Du am gleichen Fleck bleiben willst“.
Der amerikanische Evolutionsbiologe Leigh van VALEN (1935–2010) wurde dadurch 1973 zu einer Überlegung angeregt, die als „Rote-Königinnen-Hypothese“ Eingang in Lehrbücher zur Evolution fand. Danach muss eine Art ständig leistungsfähiger werden, um ihre aktuelle Stel-lung zu behaupten: Denn der evolutionäre Fortschritt einer Art bedeutet gleichzeitig eine Ver-schlechterung der Umweltbedingungen für eine andere Art. Wirt und Parasit üben in einer Koevolution einen wechselseitigen Selektionsdruck aufeinander aus.
Der Fadenwurm Caenorhabditis ernährt sich von Bodenbakterien, die totes organisches Mate-rial abbauen. Dort kann der Wurm auch mit dem Bakterium Serratia marescens in Kontakt kommen. Diese Bakterien erzeugen Toxine, die Caenorhabditis schädigen. Die Beziehung zwischen dem Fadenwurm und diesem Bakterium kann als Modellsystem für die Rote-Königinnen-Hypothese gelten.