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Neues von der Wöhlk-Probe: Welche Struktur hat der rote Farbstoff?
Vortragende/r: Klaus Ruppersberg
Institution:IPN Kiel
Datum:13. April 2024
Zeit:11:45 - 01:00 Uhr

Die Wöhlk-Probe aus dem Jahr 1904 und der sehr ähnliche Test von Fearon (Dublin 1942) haben seit ihrem Entstehen den Makel, dass über den roten Farbstoff und den Mechanismus seines Entstehens so gut wie nichts herauszubekommen war: Extraktion unmöglich! Trotzdem haben vergleichende Untersuchungen nun etwas Licht in die Sache gebracht: Wurden anfangs nur Lactose und Maltose als Substanzen für den urologisch und lebensmittelchemisch sehr beliebten Test genannt, so waren es bei näherem Hinsehen plötzlich auch Cellobiose (Dimer der Cellulose) und Maltotriose. Alle diese Zucker bestehen in üblicher Schreibweise rechts aus einer reduzierenden Glucose; der linke Teil ist offensichtlich egal. Die Hypothese, dass ggf. auch eine in Position 4 geschützte Glucose dieselbe Farbreaktion erbringt, wurde im September 2018 vom Autor verifiziert. Auch Maltulose und Lactulose, die im Alkalischen durch eine Lobry-de-Bruyn-van-Ekenstein-Umlagerung entstehen, reagieren in gleicher Weise.
Weiterhin wurde ermittelt, dass Wöhlk-Reaktion und Fearon's Test mit der frühen und mittleren Maillard-Reaktion sowie mit der Zuckerkulör-Herstellung vergleichbar sind.
Mittlerweile finden spektrometrische Untersuchungen statt, um das Geheimnis des roten Farbstoffs zu lüften. Ungeachtet dessen rufen Online-Artikel mit Experimentieranleitungen zur Wöhlk-Reaktion hohe Abrufzahlen hervor, weil auf diese Weise Milchprodukte mit einfachen schulischen Mitteln anschaulich auf ihren Lactosegehalt getestet werden können.