Stellenwert des Chemieunterrichts

Im naturwissenschaftlichen und insbesondere im Chemie- Unterricht bildet das Experiment einen Schwerpunkt des Erkenntnisweges. Mit Hilfe des chemischen Experiments können wir Schülerinnen und Schüler zur Aufklärung naturwissenschaftlicher Phänomene begeistern. Ebenso haben wir im Experiment ein Alleinstellungsmerkmal, dass unser Fach deutlich von vielen anderen Fächern abgrenzt und es zu etwas besonderem macht. Leider ist das selbstständige Experimentieren von Schülerinnen und Schülern nicht in jedem Chemie-Unterricht selbstverständlich. In vielen Fällen lässt die schulische Ausstattung nur wenige Experimente zu. Quereinsteigern fehlt häufig die nötige Erfahrung im Experimentieren, sodass sie dieses im Unterricht meiden. Aber auch Referendarinnen und Referendaren fehlt auf- grund der fachdidaktischen Ausbildung an der Universität zur Zeit der Pandemie teilweise die nötige Experimentiererfahrung, was den Druck auf sie im zweiten Teil der Lehrkräfteausbildung noch einmal zusätzlich erhöht.

Damit Experimente im Chemie-Unterricht erfolgreich sind und zu einem Lernzuwachs führen, sollten jedoch bestimmte Bedingungen erfüllt sein: Es muss genügend Zeit zum Experimentieren vorhanden, die Ausstattung der Chemiesammlung muss entsprechend umfangreich und die unterrichtenden Kolleginnen und Kollegen ausreichend ausgebildet sein. Online-Videos und -Simulationen von Experimenten, dürfen nur eine Ausnahme zur Unterstützung von Schüler/innen-Experimenten im modernen Chemie-Unterricht bleiben. Digitalisierung und neue Technik bietet auf der anderen Seite auch viel Potential für den Chemie- Unterricht, beispielsweise durch sensorgesteuerte Messwerter- fassung. Insgesamt sollte das Experimentieren fester Bestandteil und Mittelpunk des Chemie-Unterrichts sein und damit auch einen Stellenwert in der Leistungsfeststellung bekommen. Immerhin bieten immer mehr Bundesländer einen experimen- tellen Anteil in der Abiturprüfung im Fach Chemie für die Schulen mehr oder weniger verpflichtend an. Der MNU bietet auf seinen vielen Kongressen, Tagungen und anderen Formaten immer wieder Möglichkeiten zur Weiterbildung im Bereich der Experi- mentiersicherheit sowie Implementierung neuer Experimentierideen, um die Rolle des Experiments für den Chemie-Unterricht vor Ort zu stärken. Außerdem setzt sich der MNU für die Schaffung eines rechtlichen Rahmens zur Stärkung des Experiments im Chemie-Unterricht ein. In diesem Zusammenhang fordern wir die Bereitstellung einer angemessenen Ausstattung der Sammlungen, eine angemessene Zahl von Unterrichtsstunden auf der Stundentafel sowie rechtliche Vorgaben zum vereinfachten Einsatz von Experimenten in Leistungsfeststellungen. Darüber hinaus fordert der MNU eine angemessene Aus- und Fortbildung zur Einbindung von Experimenten in den Chemie- Unterricht.

Um das Experiment im Chemie-Unterricht zu stärken und unse- rem Anspruch der Fortbildung nachzukommen, haben wir Ihnen in diesem Sonderheft die Highlights der Artikel mit experimentellem Schwerpunkt für den Chemie-Unterricht von ausgewiesenen Fachleuten für Experimente aus dem MNU-Journal der letzten Jahre zusammengestellt. Von Experimenten im Mikro- maßstab bis hin zu innovativen Experimentierideen mit Alltags-

MNU Journal − Sonderheft Chemie 2025

gegenständen liefert dieses Sonderheft Ihnen viele Ideen, um den Chemie-Unterricht ansprechend experimentell zu gestalten. Thomas Toczkowski und Bernd Ralle stellen dar, welche Komplexität für Schülerinnen und Schüler hinter vermeintlich „einfachen“ Experimenten steckt. Welchen Einfluss chemische Grundlagen auf die Zubereitung von Nahrungsmitteln haben und wie man dies experimentell in den Unterricht einfließen lassen kann, zeigen nelson rajendran und andreas komeTz anschaulich auf. Pitt Hild und Markus Emden widmen sich beruhend auf dem Phänomen des Alkaline Fadings von königsblauer Tinte dem Tintenkiller als Einstieg in die Säure-Base-Chemie. markus emden beleuchtet außerdem die Sinnhaftigkeit von Kon- zentrationsobergrenzen für Zimt in Lebensmitteln und schult damit in besonderer Weise die Bewertungskompetenz der Schülerinnen und Schüler. Ähnlich gehen Silvija Markic und Mareike Burmeister vor und präsentieren Experimente, die die Kaufentscheidung für Hautreinigungsprodukte wissenschaftlich unterstützen soll. Markus Müller schlägt einen experimentellen Zugang zur Unterscheidung von Lefax® und Enzym-Lefax® als Mittel gegen Völlegefühl vor. Stephan Matussek präsentiert seine „Lab in a Drop“-Versuche, bei denen er klassische Reagenzglas- versuche im Mikromaßstab in einen Wassertropfen verlagert. Spannende Experimente rund um die Phenoxazin-Farbstoffe haben lars ehlerT und Oliver Tepner für ihren Beitrag zusammengestellt. Diese Farbstoffe mit geringem Gefährdungspoten- tial lassen sich beispielsweise zur Markierung von Mikroplastik einsetzen oder können als pH- und Polaritätsindikator dienen. Die korrekte Nutzung von Fachsprache spielt im Chemie-Unter- richt in allen Jahrgangsstufen eine zentrale Rolle und fällt den Schülerinnen und Schülern auch in den höheren Klassenstufen noch schwer. michael Gewehr stellt deshalb seinen Ansatz zur Förderung der exakten fachsprachlichen Formulierungen am Beispiel der Säure-Base-Chemie in der Sekundarstufe II anhand eines experimentellen Schwerpunkts vor. Mit Anknüpfungs- punkten an die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler, las- sen sich diese bekanntlich eher für Unterricht begeistern. Dies nutzen Fabienne Kremer und Anette Marohn, indem sie das Themenfeld Elektromobilität mit Hilfe digitaler Lernmaterialien über das Smartphone erarbeiten lassen. Christian Georg Strippel, Lutz Tomala und Katrin Sommer erklären in ihrem Artikel, wie sie Schülerinnen und Schüler eigene Experimentiervideos als abwechslungsreiche Alternative zum schriftlichen Protokoll produzieren lassen.

Die naturwissenschaftliche Erkenntnisgewinnung unter Einsatz von Experimenten sollte ein wesentlicher Bestandteil eines jeden Chemie-Unterrichts sein, um naturwissenschaftliches Denken und Arbeiten bei unseren Schülerinnen und Schülern hervorzurufen. Dazu finden Sie in diesem Sonderheft viel Inspiration.

In diesem Sinne wünscht Ihnen viel Spaß beim Lesen und Ausprobieren der Experimente

Ihr

Christian Kirberger

Referent für das Fach Chemie im Bundesvorstandsrat des MNU

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